Herstellung von Mensch-Schwein Mischwesen
beunruhigt zutiefst

 

Laut Berichten britischer Medien haben Forscher um Prof. Pablo Ross an der Universität von Kalifornien in Berkeley zum ersten Mal Mensch-Schwein-Mischwesen hergestellt. Ziel ist es, menschliches Gewebe im Schwein für die Transplantationsmedizin heranzuzüchten. Prof. Paul Cullen vom Verein „Ärzte für das Leben“ bezeichnet diese Versuche als zutiefst beunruhigend. „Diese Forschung“, stellt Cullen fest, „stellt das Wesen des Menschen und somit den Urgrund der Menschenwürde grundsätzlich in Frage.“ Er fordert ein umfassendes Verbot solcher Versuche „bis ihre Implikationen geklärt und auf der Ebene der gesamten Gesellschaft zur Diskussion gestellt worden sind.“

Ross und Kollegen haben induzierte menschliche Stammzellen in Schweineembryonen gebracht, bei denen vorher die Gene für die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse mittels der CRISPR/cas9-Technik ausgeschaltet worden waren. Hierdurch sind sogenannte Mensch-Schwein-Chimären entstanden. Die Entwicklung der Mischembryonen wurde am 28. Lebenstag abgebrochen, um das Gewebe zu analysieren. Mittelfristig möchte man auf diesem Weg im Schwein eine transplantierbare menschliche Bauchspeicheldrüse etwa zur Behandlung von Typ 1 Diabetes mellitus entstehen lassen. Gerade dieses Organ ist schwierig zu entnehmen, weshalb die Chimärenforscher sich zunächst hierauf konzentrieren.

Letztes Jahr hat die US amerikanische Gesundheitsbehörde National Institutes of Health entschieden, Chimärenforschung nicht zu unterstützen, so lange die Implikationen unklar sind und zitierte insbesondere das Risiko, menschliche Stammzellen könnten sich auch an der Entwicklung des zentralen Nervensystems des Mischwesens beteiligen.

Bereits Oktober 2011 fragte der Deutsche Ethikrat, „ob schon die Konstruktion eines menschlichen Mischwesens … [nicht] eine vollständige Instrumentalisierung“ des Menschen bedeute. Laut Bundesverfassungsgericht ist die Menschenwürde “nicht nur die individuelle Würde der jeweiligen Person, sondern die Würde des Menschen als Gattungswesen“.

Während Tierschützer diese Forschung wegen ihres Leidpotentials für das Schwein kritisieren1, sind die „Ärzte für das Leben“ vielmehr über ihre Implikationen für den Menschen in Sorge. Hierzu zitierte Prof. Paul Cullen, Vorsitzender des Vereins, den Philosophen Robert Spaemann, der die Herstellung von Mensch-Tier-Mischwesen als „Verbrechen“ und als „absolute Horrorvision… die schlimmste vielleicht, die je ausgedacht wurde“ bezeichnet hat. „Dem ist nichts hinzuzufügen“, sagte Cullen.

1) So etwa Peter Stevenson, von Compassion in World Farming, der auf BBC Radio 4 sagte: “I’m nervous about opening up a new source of animal suffering. Let’s first get many more people to donate organs.”

Quelle: Ärzte für das Leben e.V., 06.06.16

ETHIKRATSVORSITZENDER FORDERT DEBATTE ÜBER CRISPR/CAS9

 

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hat erneut davor gewarnt, die Weiterentwicklung der Gentechnik allein der Wissenschaft zu überlassen. In der Debatte um Eingriffe ins menschliche Erbgut dürften Forscher nicht alleine Fakten setzen, erklärte der evangelische Theologe und Bioethiker im Kölner „Domradio“. Notwendig sei vielmehr eine intensive gesellschaftliche Debatte. Die jüngsten Experimente zur Veränderung des menschlichen Erbgutes und zu Eingriffen in die menschliche Keimbahn in China und den USA seien „überaus besorgniserregend“. Zwar würden die Forschungsprojekte mit therapeutischen Zwecken begründet. Man müsse aber wohl davon ausgehen, „dass es wohl nicht mehr lange hin sein wird, bis tatsächlich das erste genetisch manipulierte Baby geboren wird“.

Anders als der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki lehne er Eingriffe ins Genmaterial sowie die Forschung mit menschlichen Embryonen jedoch nicht grundsätzlich ab, sagt Dabrock. In seiner Silvesterpredigt hatte Woelki auch die CRISPR/Cas9-Technologie und eine auf die Veränderung des menschlichen Erbguts zielende Gentechnik verurteilt. Es dürfe kein „Leben nach dem Baukastenprinzip“ geben. Menschen mit Krankheiten und Behinderungen gehörten „zum und ins Leben“ und verdienten ihre Chance auf dieses eine Leben. „Und das darf nicht das Produkt eines Designers sein, sondern eine unglaublich kostbare und unberechenbare Schöpfung Gottes“, so Woelki.

Mit der CRISPR/Cas9-Technologie können Wissenschaftler das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen gezielt verändern. Durch die mit einer „Hochpräzisions-Schere“ verglichene Technik können einzelne Gene sowie kleinste DNA-Bausteine in das Erbgut eingefügt, verändert oder ausgeschaltet werden.

Quelle: www.alfa-ev.de/alfa-newsletter/alfa-newsletter-vom-1312018/?online=1

 

Kritik an der Herstellung von Schwein-Schwangerschaften mit Mensch-Schwein-Mischwesen

 

„Die gestrige Veröffentlichung in „Cell“ durch die Gruppe um den spanischen Wissenschaftler Juan Carlos Izpisua Belmonte am Salk Institut in Kalifornien, USA über die erstmalige Implantierung von Mensch-Schwein-Mischwesen in die Gebärmütter von Säuen ist ein weiterer Schritt in Richtung der vollständigen Instrumentalisierung des Menschen“, warnte heute Prof. Paul Cullen vom Verein „Ärzte für das Leben“. „Solche Versuche sind ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde“, sagte Cullen, „die nicht nur die individuelle Würde der jeweiligen Person sondern, wie das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, auch ‘die Würde des Menschen als Gattungswesen’ bedeutet.“

Im Juni 2016 wurden zum ersten Mal unter Hinzuziehung der CRISPR/cas9-Technik Mensch-Schwein-Mischembryonen durch die Forschergruppe um Prof. Pablo Ross an der Universität von Kalifornien in Berkeley hergestellt. Die Gruppe um Belmonte ist jetzt einen Schritt weiter gegangen und hat solche Mischembryonen in die Gebärmutter von Säuen eingebracht und somit Schwangerschaften mit Mensch-Schwein-Mischwesen induziert. Diese Schwangerschaften wurden durch die „Ernte“ (sic!) der Embryonen drei bis vier Wochen nach der Implantation beendet. Inwieweit versucht wurde, längere Schwangerschaften zu etablieren, wurde nicht berichtet.

Im Jahr 2015 hat die US amerikanische Gesundheitsbehörde National Institutes of Health entschieden, Chimärenforschung nicht zu unterstützen, so lange die Implikationen unklar sind und zitierte insbesondere das Risiko, menschliche Stammzellen könnten sich auch an der Entwicklung des zentralen Nervensystems des Mischwesens beteiligen. Die Forschung von Belmonte wurde jedoch maßgeblich von Forschungsfonds der spanischen Region Murcia sowie des spanischen Wirtschaftsministeriums unterstützt.

Belmonte und Kollegen sehen den Nutzen ihrer Forschung in einem besseren Verständnis der Embryogenese beim Menschen, in der Entwicklung von „humanisierten Tier-Testplattformen“ für Medikamente, in der Aufklärung von Erkrankungen des Menschen sowie insbesondere in der „Herstellung von transplantierbaren Humangeweben und Organen im tierischen Wirt“.

„Wie wir bereits vor einem halben Jahr gesagt haben, ist die Herstellung von Mensch-Tier Mischwesen eine „absolute Horrorvision“ (Robert Spaemann)“, sagte Cullen. „Das vorgestellte Nutzungspotential dieser Forschung ist vollkommen unbewiesen und hat primär die Funktion, die verheerenden Implikationen dieser Versuche für die Menschheit zu verschleiern. Die einzige adäquate Reaktion auf diese Forschung ist ihr Verbot durch ein weltweites Moratorium.“

Quelle: Ärzte für das Leben e.V., 27.01.17